CURAVIVA hfk 2019 - Zur Kindererziehung

Tertiäre Ausbildung für die schul- und familienergänzende Kinderbetreuung

Ausbildung auf zwei Niveaus

Mit dem Berufsbildungsgesetz von 2002 wurden die sozialen Berufe in das schweizerische Berufsbildungssystem integriert. Damit kann zum erstenmal in der schul- und familienergänzenden Kinderbetreuung eine eidgenössisch anerkannte Berufslehre (Fachperson Betreuung) gemacht werden. Gleichzeitig wurde der Zugang zur höheren Berufsbildung mit Berufsprüfungen, Höheren Fachprüfungen und Höheren Fachschulen geöffnet. Wer mit Kindern arbeitet, hat also neu die Möglichkeit, einen Abschluss als diplomierte Kindererzieherin HF oder diplomierter Kindererzieher HF zu erlangen .
In Zukunft werden in der schul- und familienergänzenden Betreuung (FEB) neben Fachpersonen mit einer beruflichen Grundbildung auch Kindererzieherinnen und Kindererzieher HF tätig sein, die über eine weitergehende Qualifikation verfügen. Weil damit ein Wunsch der Branche selbst in Erfüllung geht, wird die neue Ausbildung von Verbänden wie KiTaS, von Fachinstitutionen oder von vielen Praxisbetrieben begrüsst.

Einordnung der hfk in der Berufsbildung

Die Ausbildung zur Kindererzieherin HF/zum Kindererzieher HF ist integriert in die eidgenössisch anerkannte Berufsbildung. Sie richtet sich insbesondere nach der „Verordnung über Mindestvorschriften für die Anerkennung von Bildungsgängen und Nachdiplomstudien der höheren Fachschulen“ und nach dem anerkannten Rahmenlehrplan dipl. Kindererzieherin HF, dipl. Kindererzieher HF vom 21.12.2007. Abschluss ist ein eidgenössisches Diplom.

((Grafik Berufsorientierte Weiterbildung - lässt sich durch anklicken vergrössern))

Berufsprofil

Berufsprofil

Das Berufsfeld der schul- und familienergänzenden Betreuung erlebt eine dynamische Entwicklung. Die Zahl der Betreuungsplätze nimmt stetig zu, die Ansprüche an die Arbeit steigen, die Verbindungen zum Betreuungsumfeld, zum Elternhaus, zur Schule, aber auch zu unterstützenden Institutionen wird immer wichtiger. Professionelle Betreuungseinrichtungen erfüllen neben ihrem Grundauftrag zunehmend Aufgaben der Früherkennung, der Förderung und der Bildung der Kinder.
Die Entwicklungen im Berufsfeld sind ein wichtiger Teil der Ausbildung der Höheren Fachschule Kindererziehung und sie sind darum im Rahmenlehrplan verankert.

Betreuung, Erziehung und Bildung

Kindererziehung in Institutionen der FEB umfasst Aufgaben der Betreuung, Erziehung und Bildung von Kindern. Sie ist im Kern eine pädagogische Aufgabe, die eng mit dem sozialen Umfeld der betreuten Kinder, der Familien und der Betreuungsinstitution verknüpft ist. In diesem Sinn versteht sich Kindererziehung als Ergänzung und als zusätzliche Chance für Kinder und ihre Familien.

Im Zentrum der Kindererziehung steht das Kind, seine Entwicklung und sein Wohlergehen. Sie unterstützt die Entwicklung der Kinder in vielfältiger Weise und fördert die soziale, sprachliche und kulturelle Integration. Kinder wachsen und entwickeln sich. Die Arbeit in der FEB nimmt Veränderungen, Übergänge und Entwicklungen bewusst wahr und gestaltet sie.
In der FEB werden Kinder unterschiedlicher Herkunft von Geburt bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit umfassend und kontinuierlich betreut. Umfassend ist die Betreuung, weil sie nicht nur einen Teil der Bedürfnisse der Kinder abdeckt, sondern alle Bedürfnisse, die Kinder während der Betreuungszeit haben. Die Betreuung ist auf Kontinuität angelegt. Kinder sind in den Angeboten regelmässig und über eine bestimmte Zeitdauer anwesend. Es entstehen Beziehungen zwischen den Kindern und Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen. Die Kinderbetreuung bietet die Möglichkeit, Kinder gezielt zu begleiten und zu unterstützen.

Vernetzen und verknüpfen

Die FEB ist eingebettet in den Kontext von Familie, Schule, Sozial- und Gesundheitswesen. Die Kindererzieherinnen und Kindererzieher kennen sich im pädagogischen und sozialen System aus und sind darin vernetzt. Sie arbeiten mit Institutionen in ihrer fachlichen und räumlichen Umgebung wie Sozialbehörden, ärztliche und psychologische Dienste, Fach- und Beratungsstellen und mit der Schule zusammen.
Kindererzieherinnen und Kindererzieher HF verfügen über Grundkenntnisse von Problemstellungen oder Auffälligkeiten, die sich in der Entwicklung von Kindern, der Integration oder Fragen des Kinderschutzes ergeben können und sind so ein Teil eines Früherkennungssystems.
Die Betreuungseinrichtungen sind Orte, an denen Kinder mit sehr unterschiedlichen Hintergründen aufeinandertreffen und zusammenleben. Die Betreuungseinrichtungen leisten darum einen Beitrag zur Integration aller Kinder und zur Chancengerechtigkeit, besonders für Kinder aus benachteiligten Familien. Sie erfüllen eine Aufgabe im Interesse der gesamten Gesellschaft.
Eine zentrale Aufgabe der Kindererzieherinnen und Kindererziehen HF ist die Unterstützung der Kinder und ihrer Familie bei der Verknüpfung der Familien- und der Betreuungswelt und die Vernetzung mit dem pädagogischen und sozialen Umfeld der Einrichtung.

Führungsaufgaben in der Betreuungseinrichtung

Mit diesen Kompetenzen sind Kindererzieherinnen HF und Kindererzieher HF befähigt Führungsaufgaben in Betreuungseinrichtungen zu übernehmen. Sie kennen im Weitern Grundlagen der personellen, organisatorischen, administrativen und finanziellen Führung und unterstützen die Einrichtungsleitungen. Sie übernehmen fachliche Verantwortung in der Einrichtung und beraten die Führung in pädagogischer Hinsicht. Sie erarbeiten pädagogische Massnahmen in Bezug auf die Kindergruppe und einzelne Kinder und setzen sie im Team um.

Wo arbeiten Kindererzieher/innen HF?

Das Berufsfeld von Kindererzieherinnen HF und Kindererzieher HF
Die Ausbildung Kindererziehung HF ist vornehmlich auf die professionellen Angebote der Kinderbetreuung ausgerichtet. Dazu gehören Krippen, Kindertagesstätten, Tageskindergärten, Tagesheime, Horte, Schülerclubs, Tagesschulen usw.
In Freizeit- und Förderangeboten, in der soziokulturellen Animation, aber auch in stationären Einrichtungen ist der Einsatz von Kindererzieherinnen HF und Kindererziehern HF dann sehr gut möglich, wenn im Zentrum der Tätigkeit die alltägliche Arbeit mit Kindern und Kindergruppen steht und nicht vor allem Spezialwissen (z.B. medizinisches oder psychologisches) erforderlich ist. Kindererzieherinnen HF und Kindererziehern HF sind auch befähigt, Beratungs- und Vermittlungstätigkeiten im Berufsfeld zu übernehmen.

  • Vorschulbetreuung: Krippen, Kindertagesstätten, Tagesheime, Fach- und Vermittlungsstellen usw.
  • Schulergänzende Betreuung: Krippen, Kindertagesstätten, Tagesheime, Fach- und Vermittlungsstellen usw.
  • Tagespflege: Vermittlungsstellen für Tagesfamilien
  • Familienpflege: Heilpädagogische Tages- und Pflegefamilien
  • Stationäre Einrichtungen: Kinderheime, Krisenintervention usw.
  • Freizeiteinrichtungen, Animation: Freizeitanlagen, Vermittlung von Freizeitangeboten, Sozialpädagogische Freizeitangebote, Partizipationsstellen, Abenteuerspielplätze usw.

Ein Berufsfeld im Wandel

Das Entstehehn der HF Kindererziehung in der deutschen Schweiz trägt zur Entwicklung der schul- und familienergänzenden Betreuung bei. Mittel- und langfristig werden die Entwicklungen zu einer Differenzierung der Stellenprofile führen:

  • Durch die Ausbildung HF Kindererziehung werden neue Qualifikationen in die Berufspraxis kommen. Die pädagogische Arbeit wird vielfältiger, geplanter und zielorientierter.
  • Es wird zu neuen Aufgabenteilungen in der Führungsarbeit kommen. Mit der Möglichkeit den Kindererzieherinnen HF und Kindererzieher HF die pädagogische Verantwortung zu übergeben, kann sich die Leitung vermehrt auf die Managementaufgaben konzentrieren.
  • Besonders in grösseren Einrichtungen wird es sowohl eine Hierarchisierung wie aber auch eine horizontale Differenzierung geben. Ersteres wird durch die zweistufige Ausbildung erforderlich, zweiteres wird möglich in dem sich neue Fachbereiche innerhalb der Institution ergeben, z.B. in Bezug auf die Arbeit mit Kleinstkindern, Integrationsfragen, frühkindliche Bildung usw.
  • In der Praxis entsteht eine neue Art von Praktikumsplätzen für Lernende der HF Kindererziehung, die bereits eine einschlägige Grundbildung mitbringen (Anschluss-HF).

Der Rahmenlehrplan der HF Kindererziehung trägt dem sich ändernden Berufsprofil Rechnung.